Leitbild, Konzept

Pflegeleitbild

Alle Menschen haben eine unverwechselbare Persönlichkeit und eine unverlierbare Würde.

Unser Menschenbild

Wir betrachten den Menschen ganzheitlich. Das heißt für uns, der pflegebedürftige Mensch darf nicht nur unter dem Blickwinkel seiner körperlichen Beeinträchtigungen betrachtet werden, sondern seine Umwelt und seine Psyche haben außerdem Auswirkungen auf seine Gesundheit.

Seine individuellen, psychischen und sozialen Voraussetzungen und Erfahrungen aus seiner Biografie sollen zusätzlich in der ganzheitlichen Pflege Beachtung finden. Dazu brauchen wir die aktive Mitarbeit der Angehörigen, Nachbarn und Freunde.

Das Wissen der Pflegenden über in der Vergangenheit erlernte Bewältigungsstrategien, im Vorhandensein von Krankheit und Pflegebedürftigkeit, sind für die Pflege nach der Selbstpflegedefizit-Theorie von Dorothea Orem unerlässlich.

In einer ganzheitlichen Pflege sollen keine Pflegemaßnahmen stattfinden, deren Bedarf nicht aus der Biografie abzuleiten ist oder nicht den zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten der Patienten entspricht.

Nur so lässt sich der Auftrag, eine individuelle Pflege und Betreuung zu erbringen, realisieren.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, uns selbst und die Öffentlichkeit davon in Kenntnis zu setzen, dass physische und psychische Störungen zum Menschsein gehören, welche auch von sozialen Bedingungen geprägt sind.

Es gibt keine leidfreie Welt.

Wir wollen einerseits gegen Leid angehen, andererseits über alles Leid Hoffnung zulassen.

Pflegekonzept

Unser Pflegekonzept lehnt sich an der Selbstpflegedefizittheorie von Dorothea Orem an und stützt sich auf die Ansichten der Humanontogenetik.

Selbstpflege- und Selbstpflegedefizit Theorie nach D. Orem

Der zu Pflegende wird stets als eigenständiges Individuum gesehen.

In der Ausführung der Pflege sind die Pflegeperson und der Pflegeempfänger aktiv beteiligt. Wir sehen die Pflege daher nicht als eine einseitige Handlung der Pflegeperson, sondern verstehen sie stets als Interaktion zwischen Pflegeempfänger und Pflegeperson.

Angehörige sollen selbstverständlich in die Pflege einbezogen werden.

D. Orem beschreibt sechs Möglichkeiten des Helfens:

  • etwas für einen anderen tun
  • einen Pflegeempfänger führen und leiten
  • physische Unterstützung zur Verfügung stellen
  • psychologische Unterstützung zur Verfügung stellen
  • eine Umgebung schaffen, die Entwicklung positiv unterstützt
  • jemanden unterrichten

Den konzeptuellen Rahmen für die Pflege bilden drei Theorien, die miteinander in Beziehung stehen. Die Theorie der Selbstpflege, die Theorie des Selbstpflegedefizits und die Theorie des Pflegesystems. Diese Konzepte basieren auf der zentralen Annahme:

  • dass jeder Mensch Selbstpflege betreibt.
  • sich die Selbstpflegehandlungen jedes Menschen nach seinem Selbstpflegebedarf, seinen Selbstpflegekompetenzen und den beeinflussenden Umweltfaktoren richten.
  • Selbstpflege innerhalb eines Selbstpflegesystems, eines Dependenzpflegesystems oder eines professionellen Pflegesystems stattfindet.

Selbstpflege ist nach Orem ein erlerntes und zielgerichtetes Handeln, welches von einer Person für sich selbst ausgeführt wird. Selbstpflege läuft in zwei Phasen ab:

Der Einschätzung des Selbstpflegebedarfs, der Auswahl einer bestimmten Handlung und dem Ausführen der gewählten Handlung.

Die dazu notwendigen Fähigkeiten werden im Laufe der menschlichen Entwicklung erlernt. Eine Selbstpflegehandlung ist effektiv, wenn durch sie das gewünschte Ergebnis erzielt wird.

Gesundheitsbedingte Selbstpflegeerfordernisse entstehen durch eine Krankheit oder z.B. durch die fortschreitende Gebrechlichkeit im Alterungsprozess. Dazu gehört das Wahrnehmen und Einschätzen von Symptomen und die Fähigkeit, zu entscheiden, wann professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden muss. Das Ausführen von speziellen Pflegemaßnahmen und die Fähigkeit damit zu leben, können Wohlbefinden und Lebensqualität ermöglichen.

Somit müssen Menschen, um als selbstpflegekompetent zu gelten, in der Lage sein Handlungen zu planen und durchzuführen. Orem nennt diese Befähigung Selbstpflegekompetenz. Die Selbstpflegekompetenz besteht aus einem Bündel von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dazu gehören biologische und kognitive Voraussetzungen, wie zum Beispiel die Fähigkeit sich zu bewegen, sich zu informieren und Entscheidungen in Bezug auf die eigene Pflege zu treffen. Des weiteren Motivation und Selbstpflegefertigkeiten, sowie die Fähigkeit seine Selbstpflege mit dem persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben in Einklang zu bringen.

Wenn für einen Menschen die Entscheidung ansteht sich in eine stationäre Pflegeeinrichtung zu begeben, ist davon auszugehen, dass ein Selbstpflegedefizit besteht. Der Begriff Selbstpflegedefizit bezeichnet einen Zustand, in dem der Selbstpflegebedarf größer ist als die Selbstpflegekompetenz. Es gibt viele Gründe, die einen Menschen an die Grenze ihrer Selbstpflegekompetenz führen. Das können physische oder mentale Einschränkungen sein oder ein veränderter Selbstpflegebedarf aufgrund von Krankheit, Alter und Gebrechlichkeit. Veränderungen werden oft innerhalb der Familien zuerst registriert und versucht auszugleichen, hier spricht man von der Angehörigenpflege, der Dependenzpflege. Auch entwicklungsbedingte Erfordernisse, wenn z.B. ein Familienmitglied pflegebedürftig wird und sich dadurch die Lebensumstände ändern, können die Selbstpflegekompetenz eines Menschen überfordern. Diese Umstände machen dann eine professionelle Pflege notwendig. Orem bezeichnet professionelle Pflege als eine spezialisierte Form der Gesundheitspflege, die von professionell Pflegenden konzipiert (geplant) und durchgeführt wird. Diese setzen ihre Pflegekompetenzen für die Betroffenen mit vorhandenen oder zukünftigen Selbstpflegedefiziten ein.

Wir gehen mit Orem davon aus, das wenn es gelingt, die Selbstpflegeerfordernisse der Betroffenen gemeinsam mit den Angehörigen zu erfüllen, pflegebedürftige Menschen trotz ihrer Einschränkungen Wohlbefinden und Lebensqualität erleben. Die pflegerische Unterstützung richtet sich nach den Selbstpflegekompetenzen des Betroffenen. Entsprechend des Selbstpflegebedarfs greift unsere professionelle Pflege kompensierend, unterstützend oder anleitend in das Selbstpflege und Dependenzpflegesystem ein. Dabei steht für uns die Autonomie und die vorhandene Kompetenz des Betroffenen im Zentrum der Pflege, die Eigeninitiative soll gefördert werden.

Humanontogenetik

In der Humanontogenetik besteht die Grundannahme in der lebenslangen Entwicklung des Menschen von der Konzeption bis zum Tod. Jede Entwicklung wird dabei als irreversibel betrachtet. Es kommt in einem Prozess zu Auf- und Abbau von Möglichkeiten und Fähigkeiten die erschlossen werden aber auch verloren gehen können und dadurch auch immer neue hinzu wachsen können.

Im Gegensatz zu den Einzelwissenschaften versteht die Humanontogenetik den Menschen als hochkomplexe Einheit. Dabei sind alle personalen, biologischen und psychischen Strukturen und daraus entstehende Prozesse immer vor einem kulturellen Kontext zu verstehen.

Wir sprechen von einer bio-psycho-sozialen Einheit Mensch.

Für die tägliche Pflege eingebettet in die Theorie von Orem bedeutet es für uns:

  • Wir sehen den Menschen innerhalb seiner durchlebten Boigrafie als einzigartig, dabei wurde er maßgeblich von seiner Lebenszeit und den dabei zur Verfügung stehenden Strukturen geprägt.
  • Wir respektieren alle Entwicklungen als individuelle Besonderheit dieser Menschen und beachten diese in unserer pflegerischen Planung, unterschiedliche Sichtweisen in den Lebensbereichen der Ernährung, Ausscheidung oder Hygiene werden dabei akzeptiert.
  • Wir betrachten den Menschen als lebenslang entwicklungsfähig. Die Humanontogenetik vertritt hier das Model der hierarchischen Ordnung der Kompetenzen.

Unter humanontogenetischen Sichtweisen müssen Menschen Situationen beurteilen können und eine Wahl aus verschiedenen möglichen Selbstpflegehandlungen treffen, z.B.:

  • eine angemessene Körperpflege durchführen
  • sich witterungsbedingt angemessen Kleiden
  • eine angenehme Wohnatmosphäre schaffen
  • sich individuell mit Flüssigkeit und Nahrung ausreichend versorgen
  • sich korrekt mit Medikamenten versorgen

Eingeordnet in diese Überlegungen ist der Begriff der Souveränität. Wir sehen in ihr eine Bedeutung bei der Betrachtung der Pflegebedürftigen, der Angehörigen und unserer Mitarbeiter, wonach jeder durch eine souveräne Ordnung der inneren Angelegenheiten die Möglichkeit hat, sich durch neu eröffnende Strukturen (neues Zuhause im Heim, neuer Arbeitsbereich) zu entwickeln.